Eurythmie

Rudolf Steiners Eurythmie-Figuren

Nach den bisherigen Eindrücken von klassischer Kunst, die immer den physischen Leib darstellen, in den Höheres hinein geheimnist ist, kommen wir nun in eine ganz neue Welt. Der physische Leib als Ausgangspunkt ist verschwunden, es beginnt gleich mit der Aura.  Allerdings erkennen wir das Urbild des physischen Leibes dahinter, nun aber wie von den Kräften der Aura durchdrungen.  Er hat seine Dominanz verloren und ist eingebettet in die höheren Wesensglieder Äther-Leib, Astral-Leib und Ich-Leib.

 

Für lange Zeit stand der physische Leib im vollen Licht der Aufmerksamkeit. Aber bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist diesbezüglich ein Wandel im Gange. Zunächst zeigte sich wie immer bloß eine Schar von Vorreitern aufgeschlossen für neue Ideen über ein ganzheitliches Welt- und Menschenbild. Diese Ideen fanden über Indien z. B. durch die »Theosophische Gesellschaft« ihren Weg nach Europa und mündeten ein in viele andere spirituelle Strömungen am Anfang des 20. Jahrhunderts.  Heute interessieren sich in immer neuen Schüben immer mehr Menschen für ein ganzheitliches Menschenbild, das den Körper und die Aura wieder zusammen denkt.  Glaubt man der Presse, so sind ca. 15 % aller gedruckten Bücher heute dem Bereich »Esoterik« im weitesten Sinne zuzuordnen.

 

In diesem historischen Bewußtseins-Kontext muß man die Eurythmie verstehen, die Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen mit Marie Steiner entwickelt hat.  Zunächst ist sie eine neue Kunst für ein neues Zeitalter.  Darüber hinaus kann sie die Fähigkeiten fördern, den Menschen als ganzen Menschen anzuschauen, zu erleben und zu denken.  Darüber hinaus wird im eigenen Ausüben die Aura stärker, beweglicher, harmonischer und geordneter, wodurch einerseits die Gesundheit unterstützt wird und andererseits die eigenen höheren Wahrnehmungsmöglichkeiten zunehmen.

 

Als Handwerkszeug für das Studium der Eurythmie hat Rudolf Steiner 35 Eurythmie-Figuren skizziert. Sie umfassen alle wichtigen eurythmischen Grundgesten. Die Originale sind in Schwarz-Weiß gezeichnet und mit genauen Farbangaben versehen. Nach dieser Vorlage hat Annemarie Bäschlin, selbst Eurythmistin und Malerin, die Figuren farbig gestaltet. Die obigen Abbildungen sind ihre Ausführungen. Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Genehmigung des Steiner Verlages sie benutzen zu dürfen.  www.steinerverlag.com

 

In meinem 3. Studienjahr bekam ich die Aufgabe über die Eurythmie-Figuren der Seelengesten ein Referat zu halten. Die Erlebnisse und Erkenntnisse, die ich dabei haben durfte, wurden zu einem Schlüsselerlebnis für mein gesamtes weiteres Verständnis der Eurythmie.  

 

Auf vielfältigste Weise hat Steiner die neue Kunst der Eurythmie dem Publikum nahe gebracht. Eine in unserem Zusammenhang sehr hilfreiche Charakteristik ist »Eurythmie als bewegte Plastik«.  Die Substanz in diesem Fall ist weder Holz noch Stein, sondern die vielschichtige Aura des Menschen, weshalb diese Seite Aura-Atelier heißt. Ein Mensch, der Eurythmie macht, bringt die Wesensglieder seiner Aura in ganz bestimmte Formen, Farben und Gedankenschwingungen. Um sich diese Fähigkeit als Profi zu erwerben, hat Steiner als Studienmaterial die Eurythmie-Figuren gezeichnet. An ihnen versteht man im Üben das Prinzipielle, um dann in tausendfältiger Weise selbst kreativ Neues erschaffen zu können.  

 

Als ich mir damals die Eurythmie-Figuren der Seelengesten erarbeitete, bemerkte ich Spannendes. Jede Eurythmie-Figur, bzw. Aura-Form, in die ich schlüpfte, erzeugte andere Gefühle und andere Gedanken in mir. Selbst Gefühle, die ich bisher nicht erlebt hatte, konnte ich erleben.  Mir wurde klar, daß es auf diese Weise möglich sein müsse, innere Erfahrungen zu machen, die einem bisher nicht vertraut waren.  Ein Mensch, der z. B. bisher die Erfahrung der Geborgenheit oder des Urvertrauens nicht kannte, kann sich diese Erfahrung über entsprechende Eurythmie-Gesten allmählich erarbeiten. Diese Idee bestätigte sich während meiner Tätigkeit als Heileurythmistin auf segensreichste Weise. 

 

Zu Beginn der 90-er Jahre rückten die Chakren ins Zentrum meines Interesse. Die meiste konkrete Literatur im Zusammenhang mit energetischen Bewegungen kam damals aus Asien; bei Steiner selbst gab es selbstverständlich Literatur über Chakren, aber nicht konkret im Zusammenhang mit der Eurythmie. Über einen asiatischen Schlenker kehrte ich aber sehr bald zur Eurythmie zurück, diesmal mit der Frage: wie ist das Verhältnis zwischen den mir vertrauten Eurythmie- und Heileurythmie-Gesten zum Aura- und Chakren-Organismus.  Zusammen gefaßt würde ich heute kurz Folgendes sagen. Bette ich sie in einen ausgerichteten Aura- und Chakren-Organismus ein, so stärke ich damit erstens den Gesamt-Organismus des Menschen und zweitens werden die Übungen in ihrer Wirksamkeit stärker.  Darum ist für mich persönlich die Eurythmie ohne diesen Zusammenhang nicht mehr zu denken.

 

 

Zum Schluß ein Wort an die Menschen, die in der Anthroposophie ihre Heimat gefunden haben

In meiner Heileurythmie-Praxis war von hundert Menschen im Schnitt einer »Anthroposoph«. Darum mußte und durfte ich lernen, mich in anderen als typisch anthroposophischen Begriffen auszudrücken, was mir als Herausforderung seit eh und je wirklich große Freude bereitet.

 

Ich erarbeitete in einem Laienkurs z. B. die Eurythmiefiguren, denn ich wollte auch solch schwierige, mir wichtig erscheinende Elemente vermitteln. Wir übten jede Farbe einzeln und dann alle Farben zusammen. »Das verstehe ich nicht, daß zusammen etwas anderes herauskommt als alleine«, sagte eine Teilnehmerin. »Was kann ich bloß zu einem Menschen sagen, der im Grunde nur das tägliche Leben kennt«, fragte ich mich blitzschnell.  »Also, Du kochst Möhren alleine, Du kochst Porree alleine und jedes schmeckt in bestimmter Weise. Oder Du kochst beide zusammen.  Schmeckt das anders?«  »Ja klar!«

 

Darum gibt es Aura-Tücher, Wortschöpfungen wie Ich-Säule, Ich-Achse usw. anstelle von »U« und »T« und so manch anderes. Andere Worte wie »Wesensglieder, Leiber« u. ä. habe ich bewußt beibehalten, weil sie mir am adäquatesten erscheinen. Sprache ist Gewohnheitssache; was zunächst fremd ist, kann geläufig werden, wenn es verständlich wird.